Zuwachsende Kindheit.

Manchmal steht die Zeit still

Manchmal steht die Zeit still

Mit Olaf, Olaf und Olaf zu Olaf.
Meine mitreißende Mitreisende ist 5 Jahre alt und will baden gehen – in Uelzen. Na gut, nicht ganz uneigennützig erfülle ich ihr diesen Wunsch. Das Wochenende ist frei und ohne Termine, und wir machen uns in einem verkannten und belächelten Auto auf den Weg in das von Hamburg rund 100 Kilometer entfernte Uelzen zum Freibad meiner Kindheit. Einfach mal so, aber mit funktionierender Klimaanlage. Vor Ort finden wir eventuell einen Kirschbaum, ein Haus mit einer hohen Hecke, einen alten Schulweg und einen Tunnel ohne Lampen. Das klingt vermutlich alles ein bisschen bescheuert, das ist es auch irgendwie, aber wer bin ich denn dass ich meinen Nachwuchs in einem Indoor Freizeitpark verklappe, statt mich von dem Charme einer Kita Königin wieder einmal erden zu lassen? Reisen. Unterwegs sein. Der Tank ist voll, der Kofferraum auch, Sting und Günther Jauch warten auf mich und der vierte Gang ist schon vorgefahren. Zumindest ist er nicht mehr da. Also los.

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Roadtrip nach Monaco!

Monaco or bust!

Monaco or bust!

Der Weg ist das Ziel: Vier Petrol Heads aus dem Mercedes-Benz Museum (mein Chef Micha, Kameramann Alex, Fotograf Gijs und ich) starten in Stuttgart zur „Sternfahrt“ und cruisen drei Tage lang auf Nebenstraßen quer durch Frankreich. Nicht in schicken Neuwagen, wie die anderen, sondern am Steuer einer unrestaurierten S-Klasse (W 108 von 1969) und einer klassischen G-Klasse. Warum? Mercedes-Benz präsentierte die Laureus Sports Awards 2018 in Monaco – und am Steuer so eines alten Autos erlebt man einfach mehr als im Flugzeug. Oh ja. Oh ja jaaaaa. Schnee, Havarie mit geplatztem Kühlwasserschlauch am Samstag Abend irgendwo bei Avignon, Starkregen in Saint Tropez. Alles dabei. Gönnt euch drei Minuten Roadtrip de Luxe, die Geschichte kommt später auch noch. In diesem Sinne: Anschnallen und los!

Farvel, Danmark

So viel Glück muss sein.

So viel Glück muss sein.

Die letzten Minuten einer schönen Zeit.
Oft haben sie mich traurig gemacht. Oft haben mich sogar schon die letzten 24 Stunden einer kreativen Dänemark-Auszeit in ein pathetisches Tief aus Selbstmitleid und nicht-loslassen-Können gestürzt. Immer wenn etwas zu Ende ist, habe ich damit ein Problem. Ein Therapeut würde sich bei der Analyse meiner Kindheit die Finger lecken, doch heute wäre ich kein interessanter Patient. Heute stehe ich hier, in diesen letzten Minuten einer schönen Zeit, und ich bin nicht traurig. Warum nicht? Liegt das an der bunten Glückskette, die mir mein viertelfinnisches Sandmädchen gebaut hat? Funktioniert die etwa wirklich? Oder liegt es am grauen Nieselregen, der sich wie eine kalte, nasse Decke über das Land legt, so furchtbar und einsam, dass man einfach gute Laune haben muss? Ich weiß es nicht.

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Der Abend vor dem Morgen danach.

Das könnte auch Südfrankreich sein.

Das könnte auch Südfrankreich sein.

Was mache ich, wenn ich mich eine Woche lang zum Arbeiten in Dänemark verschanzt habe? Arbeiten. Okay. Was noch? Essen, trinken, Musik, schlafen. Und – Autofotos! Dass ich dieses Mal nicht mit dem geliebten Taunus gefahren bin hatte zwei gute Gründe: Der Schnee und das Salz vom Hinweg wären nicht gut für ihn gewesen. Und der Scorpio war bisher noch kein Sonnenuntergangs-Protagonist. Vermutlich war er das noch nie bei irgend jemandem jemals. Ihr könnt ihn mögen oder hassen, ich fahre den heute trotzdem an den Nordseestrand und mache die Bilder, die ich so mache, wenn ich hier bin. Pathos, Licht und Schatten, Rost und Spaß. Kommt ihr mit? Es wird eine rauschende, chromfarbene Meeresorgie, von der ich mich erst am nächsten Morgen erholen werde. Aber ich will vorher noch einen Hotdog essen.

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Vanitas Leuchtfeuer

Ein letztes Mal...?

Ein letztes Mal…?

Reisende soll man nicht aufhalten.

Ein herrlicher Spruch, der im Netz den unangenehmen Zeitgenossen und Trollen bekundet, dass sie sich mal ganz gepflegt vom Acker machen sollen. Im Norden Dänemarks stehen eine Menge alte Leuchttürme rum, die den Reisenden ein Zeichen sein sollten. Jeder für sich ein kleines, gemauertes Kunstwerk aus einer Zeit vor Radar, GPS Handies und Satellitennavigation. Kein reisender Mensch und kein reisendes Schiff braucht heute mehr einen Leuchtturm, um nicht an einer Küste zu zerschellen. Deshalb sind diese alten Steinsäulen nur noch selten in Betrieb und dienen vor allem den Selfies der gelangweilten Touristen als abwechslungsreicher Hintergrund. Das Leuchtfeuer von Rudbjerg Knude hatte Jahrzehnte lang mit Reisenden zu kämpfen. Erst waren es reisende Seeleute, denen es geleuchtet hat, dann kamen reisende Sandmassen, dann war es die reisende Küste selbst. Der Turm und seine Erhalter haben den Kampf gegen die Natur aufgegeben. Heute sehe ich eine mir schon lange bekannte Taunusfahrerin zum ersten Mal, und heute reisen wir zu diesem Leuchtturm. Vermutlich zum letzten Mal.

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Endlich fliegen!

... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...

… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…

Das wird jetzt ein bisschen Off Topic. Und pathetisch.
Aber irgendwie auch nicht. Diesmal kommen keine Autos vor, da müsst ihr durch. Dafür ein kleines Flugzeug. In den Chroniken der Abteilung „Leben und so“ steht in meinen 80er Jahren der riesengroße Wunsch, alles Mögliche ferngesteuert zu bewegen. Autos mit Elektromotor. Autos mit Verbrennungsmotor. Und ein großes Flugzeug, ebenfalls mit Verbrenner und schwarz-sexy-sündiger Graupner 8-Kanal-Fernsteuerung. Alle diese Modelle mit Rädern und Flügeln gibt es heute nicht mehr, aber der Wunsch des Fliegens ist immer geblieben. Über 30 Jahre nach meinem ersten, nie gestarteten Modellflugzeug stehe ich heute inmitten eines windigen Stücks trockener dänischer Heidelandschaft. Mit wild klopfendem Herzen und sonnigem Gemüt. In der einen Hand ein Flugzeug, in der anderen Hand eine Fernsteuerung und im Mund (mir fehlt die dritte Hand) das iPhone. Wegen der Fotos. Fotos von meinem ersten Mal…

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Ostwind

Wolken weg. Hallo Norden.

Wolken weg. Hallo Norden.

Die Wettervorhersage ist verheerend.
Ich meine… auf der iPhone Wetterapp ist sie immer verheerend, aber heute Morgen sprechen sie auch auf den norddeutschen Radiosendern von fiesem Sturm, heftigem Schnee und heimtückischer Glätte. Rund um Schleswig. Wie schön, dass ich a) vorgestern für ein Foto testweise die Sommerreifen auf den Kölner Salzschlucker gezogen habe, um die Felgen optisch ein bisschen zu akklimatisieren und b) gleich aufbreche zu einem 310 Kilometer Trip von Hamburg an die dänische Westküste. Also noch weiter nach Norden, an Schleswig vorbei. Leicht nervös und irgendwie pathetisch küsse ich mein halbfinnisches Fräulein Altona und mein viertelfinnisches Sandmädchen. Die kleine drückt mir zartschmelzend lächelnd Olaf, das Schaf aus Uelzen in den Arm. „Damit du nicht so alleine bist, Papa„. Dann hängt sie mir eine selbstgebastelte Perlenkette um. Jungs weinen nicht. Behauptet jedenfalls Robert Schmidt von Die Heilung. Ich sehe das anders und vermisse die beiden schon im Erdgeschoss vor der Haustür. Seufz. Aber so eine einsame Schreib-Aus-Arbeitszeit hat abgesehen vom Vermissen auch viele gute Seiten. Glaube ich. Der Wind weht eisig durch die Straßen. Erste Schneeflocken tanzen über den Asphalt.

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Im dritten Winter…

Vorsorge, leider dimensionswuchernd

Vorsorge, leider dimensionswuchernd

… wird alles besser 😀
Das habe ich mir zumindest vorgenommen. Ich bin ein Großmeister der optimistischen Vorsätze, die ich dann allesamt wieder breche. Schon in den 90ern stand ich breitbeinig im Kieler Irish Pub in der Bergstraße und schmetterte „It’s nothing new, I am breaking my intentions“ zur schranzig ausgepegelten Telecaster. Der immer randvoll gefüllte Saal mit randvoll gefüllten Iren, Briten und Walisern tanzte und gröhlte mit. Das Lied kannte trotzdem niemand, wie denn auch, es war ja von mir. Aber ich schweife schon im ersten Absatz ab. Äh… Vorsätze. Genau. Im ersten Winter habe ich meinen antiken Taunus durch Eis und Schnee gescheucht. Zwar war da weder Eis noch Schnee, aber es war Winter. Im zweiten Winter (das ist *jetzt*) lasse ich ihn bei Eis und Schnee stehen und degradiere den neu erworbenen Scorpio zum Salzschlucker. Immerhin, erstmalig in meiner Autogeschichte! Und im dritten Winter…? Mein Vorsatz beinhaltet eine gute Konservierung und den Einsatz sogenannter Radhaus-Innenschalen. Landläufig „Lokaris“ genannt, von der herstellenden Firma abgeleitet. Mit denen stehe ich jetzt hier, und sie passen nicht ins Auto. Also, innen rein meine ich.

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Einer wie meiner

Baustellen überall

Baustellen überall

Während gefühlt die Mustang-Dichte jedes Jahr zunimmt, findet man die schaukelnden Vertreter der europäischen Saurier immer weniger in freier Wildbahn. Taunus und Granada waren zu lange ungeliebt und galten in der Szene lange als veraltet und träge. Mit zweifelhaftem Image. Dabei hatten sie doch schillernde Namen von Bergketten in Deutschland oder Städten in Südspanien. Als man dann in den 90er Jahren auf die unkomplizierten Design-Ami-Deutschen durch Filme wie “Absolute Giganten” und “Bang Boom Bang” aufmerksam wurde, hatte der frühe anfängliche Kantenrost der 70er Jahre bereits die meisten Exemplare in den Schrotthimmel erhoben. Und was noch da war wurde klinisch totrestauriert und weggestellt oder nicht selten für fünfstellige Beträge angeboten. John Bostelmann aus Hamburg hatte ziemliches Glück und kam gerade noch rechtzeitig, bevor die „3-2-1-meins“-Wahnsinnigen anfingen, die großen Kölner in die gleichen Preisdimensionen wie 8er BMWs oder Jaguar XJ12 zu heben.

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Einer wie keiner

Posing entlang der Transitstrecke

Posing entlang der Transitstrecke

Von der Idee zum Glupschaugen-Gleiter. Teil 3
Ich ahnte, dass dieses Auto polarisiert. Ich hätte aber nicht gedacht, dass eure Meinungen SO weit auseinanderliegen! Ja, ich habe ihn gekauft, den 21 Jahre alten Scorpio 2, die Rostkarre, den Designflop, das antiquierte Raumschiff, den Totengräber von Fords Oberklasse. Zitat Ende. Mit einer Ansaugbrücke aus Kunststoff, die nach 20 Jahren immer reißt und irreparabel ist. Mit einem Kabelbaum aus selbstzersetzendem Kunststoff, der irgendwann (bald) Warnlampen-Bingo spielt und Elektrik-Havarien auslöst. Mit hart unterrosteten Chromsicheln auf allen vier Radläufen. Bin ich total bescheuert? Aber nein. Also, glaube ich wenigstens nicht. Ich nehme euch einmal mit auf 300 Autobahnkilometer zwischen Berlin und Hamburg. Vielleicht versteht ihr danach, was mich an diesem Relikt aus den schlimmen 90ern so fasziniert.

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Der frühe Vogel…

Bordmappe und Google Hupf

Bordmappe und Google Hupf

Von der Idee zum Glupschaugen-Gleiter. Teil 2
Liebes Tagebuch. Heute stehe ich gaaaanz voll früh auf, denn ich will in die deutsche Hauptstadt. Da steht ein total hässliches Auto, was ich aber echt toll finde und was ich vielleicht kaufen will. Meinst du, dass ich den auch wirklich mitnehme? Ich bin noch nicht ganz sicher. Aber ich bin gut vorbereitet, ich habe eine Hässliches-Auto-Bordmappe zum Lesen dabei, einen leckeren Rest Such-Kuchen (Google Hupf) vom Geburtstag des viertelfinnischen Sandmädchens, ein bisschen Bargeld und ein ICE Ticket. Ich nehme euch Leser da draußen mal mit auf die Reise, auch wenn ihr eigentlich viiiel mehr Bock auf Bilder von coolen Autos habt. Diesmal nicht. Nur unscharfe Selfies von mir, unterwegs, zumeist auf Bahnhöfen. Und das Auto, um das es geht ist ja genaugenommen auch nicht cool. Sagt ihr. Aber jetzt muss ich schnell duschen, sonst verpasse ich die S-Bahn zum Bahnhof Dammtor. Ich mag nicht gern hetzen.

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Aber wenn er doch nur…

Kann man sich darauf einlassen?

Kann man sich darauf einlassen?

Von der Idee zum Glupschaugen-Gleiter. Teil 1
Ich weiß nicht, wie viele Geschichten von Autoschreibern mit den Sätzen „… ach hätte ich damals doch bloß“ oder „… wenn ich heute doch nur…“ enden. Es sind viele. Oft geht es da entweder um Karren, die man damals weggeworfen hat, weil sie so viel wert waren wie eine warme Mahlzeit. Rostlauben, die heute wesentlich teurer geworden sind und die einen hohen emotionalen Wert für den Schreiber hatten. Oder es geht um automobile Wünsche, die man gern ausleben möchte und es meistens lässt. Als Gründe werden das knapp finanzierte Reihenhaus, die Familie oder die viele Arbeit genannt. Natürlich lasse ich auch manchmal diese hättehätte Sätze raus. Es gibt einfach zu viel Weggeworfenes, was aus heutiger Sicht erhaltenswert gewesen wäre. Die Zeit rennt. Wir werden alle älter. Doch weg ist weg. Oder? Nein, nicht ganz. Im Jahr 2018 mach ich Schluss mit HÄTTE und WÜRDE, dieser ewige Konjunktiv der alles bereuenden und nichts verändernden Midlife-Krisenschieber wird begraben und weicht einem MACHEN. Ha. Was jetzt voll esoterisch tschakka tschakka klingt, kostet wenig Geld und ist das Ergebnis eines schon länger andauernden Denkprozesses. Und den…. will ich euch in dieser Geschichte gern mal erklären 🙂 Vielleicht erkennt sich ja jemand wieder?

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Drives you… crazy?

Ist das effizient?

Ist das effizient?

Diejenigen von euch mit einem besonders ausgeprägten Langzeitgedächtnis werden sich vielleicht noch länger zurück erinnern als bis zum letzten Wochenende? 🙂 Genauer gesagt zurück in den September des vergangenen Jahres, als ich mich mit einem Fitnessarmband bestückte und zwei Wochen lang täglichen die Fahrten in meinem Taunus protokollierte. Nicht nur die Strecke und die Zeit, sondern auch meine körperliche Verfassung, meinen Puls und meine allgemeine Laune. Und meinen Schlaf. Jetzt sind die Ergebnisse veröffentlicht worden! Bin ich ein entspannter und effizienter Typ? Seid ihr es? Ist Deutschland es? Na dann schauen wir mal:

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Nachtgespann

Schade, dass es spiegelglatt ist...

Schade, dass es spiegelglatt ist…

Autos von A nach B bringen, die zwar von alleine fahren können, aber seit 20 Jahren (oder so) keine Hauptuntersuchung mehr gesehen haben – das geht super mit einem Anhänger. Wenn man das mag. Vielleicht habe ich irgendwann schon einmal geschrieben, dass ich das nicht mag. Und nein, ich spanne jetzt keinen dramaturgischen Bogen zu einem spektakulären Unfall und sage am Ende: Seht ihr, ich sage ja, dass ich das nicht mag. Viel einfacher: Ich mag das schlicht nicht. Der VW K70 soll zu seiner letzten Salbung nach Hause, nach Kiel. Die erste Etappe aus dem nördlichen Niedersachsen bis nach Hamburg lief problemlos, jetzt kommt Teil zwei. Wie von den sonst immer falsch liegenden Wetterfröschen angekündigt beginnt es mit der Dämmerung wieder zu frieren und wieder zu schneien. Na gut, wenn schon denn schon. Dunkelheit, überfrierende Nässe, Blitzeis, ein heckgetriebener Mercedes mit einem schweren Anhänger hinten dran und im Radio auf allen Sendern nur die drei abgedroschenen Evergreens von Queen, die ich mir schon nicht mehr hören konnte, als der KaSi noch TÜV hatte. Heute gebe ich es mir dreckig.

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